Einflüsse von Geschlechterrollen auf Ernährung und Küchenroutinen
Vortragsangebot von Almut Schnerring und Sascha Verlan.
Essen dient dazu, die eigene Geschlechtlichkeit sozial zum Ausdruck zu bringen

Was und wie wir essen ist Teil des ›Doing Gender‹,
denn Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit werden aktiv inszeniert. Nahrung zubereiten, kochen und essen dienen dazu, die eigene Geschlechtlichkeit sozial zum Ausdruck zu bringen. Natürlich ist der Mensch ein auf Stoffwechsel basierender Organismus, aber es wäre naiv, die Wahl der Lebensmittel und das Essverhalten allein auf körperliche Funktionen zu reduzieren. Essen und Trinken sind Phänomene, deren Rituale, Regeln und Zuordnungen sich in Abhängigkeit von kulturellen, sozialen oder religiösen Übereinkünften ständig verändern.
Unterschiede im Essverhalten von Männern und Frauen werden in der Kindheit angelegt.
Jungen werden z.B. eher dazu angehalten, ihren Teller leer zu essen, und sie werden öfter mit ihrem Lieblingsessen bekocht. Eltern achten am Esstisch bei ihren Söhnen nach wie vor mehr darauf, dass sie »groß und stark« werden. Mädchen dagegen werden eher unterstützt, in Maßen zu genießen und auf ihr Körpergewicht zu achten.
Die Folge: Schon vor der Pubertät unterscheidet sich die Lust am Essen bei Mädchen und Jungen. Jungen betonen den Genussaspekt des Essens, während Mädchen eher Ängste äußern und von Kontrolle sprechen. Sie lernen schon früh, dass ihr äußeres Erscheinen in Zusammenhang mit positiver Zuwendung steht, ihr Selbstgefühl hängt mit der Bewertung ihrer Figur zusammen. Und solange wenig essen mit weiblicher Attraktivität assoziiert wird, fällt es Mädchen schwer, den eigenen Essensvorlieben mit Freude nachzugehen, was im Extremfall zu Essstörungen führen kann.
Für den Alltag mit Kindern, zuhause, aber auch im (Sport- oder Hauswirtschafts-) Unterricht, wenn Essen und Kochen mit Kindern thematisiert werden, ist es deshalb wichtig, Geschlechterklischees bewusst zu hinterfragen. Kinder profitieren davon, wenn Erwachsene die unterschieden Geschlechternormen reflektieren und ihren eigenen Zuschreibungen nachspüren. Nicht immer schmerzfrei für einen selbst, aber wichtig, um Kinder von der #RosaHellblauFalle zu entlasten.
Für wen ist das interessant?
Zielgruppe sind Menschen, die mit Kindern arbeiten, leben, kochen und essen, genauso wie Bildungsinstitutionen, Verbände, Wirtschaftsunternehmen, Fachkräfte, die im Themenbereich Ernährung bzw. Ernährungs- und Haushaltswissenschaften / Ökotrophologie ausbilden, aufklären oder Position beziehen und deshalb ihr Wissen durch einen gendersensiblen Blick erweitern wollen. Im Zentrum steht entweder die private Küche und der Familienalltag aber genauso die professionelle Küche mit allen damit verbundenen Aufgabenbereichen und Ausbildungsberufen.
Ein Vortrag, der den rosa-blauen Zuschreibungen beim Einkaufen, in der Küche, am Esstisch nachgeht, Hintergrundwissen dazu liefert und Wege aus der RosaHellblauFalle bietet.
Bei Interesse sprechen Sie uns gerne an:


















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Lebensmittel wie Quark, Obst, Gemüse und süße Desserts gehören nach westlicher Wertung zu den »schwachen« Nahrungsmitteln, und die Werbung greift diese Tradition gerne auf. Um diese Lebensmittel zu essen, braucht es wenig Kraft und Biss, auch Kranke und Kinder kommen damit klar. Bebildert wird die dazugehörige Werbung mit joggenden, tanzenden, gut gelaunten Freundinnnen oder mit Müttern, die neben spielenden Kindern Zeit für ein Päuschen haben, um Joghurt oder luftige Schokolade zu essen.
Geht es dagegen um Fleisch oder um Scharfes, kommen Männergrüppchen oder kleine Jungs ins Bild, starke Kerle, die für ihre Wanderung eine Wurstvesper brauchen. »Starke« Nahrungsmittel setzen Widerstandskraft voraus, folglich haben angeblich besonders Frauen ihre Probleme damit. Ihr liegt Deftiges gern schwer im Magen, erklärt uns die Werbung, und weiß auch prompt Abhilfe in Form von »regulierendem« oder probiotischem Joghurt.
Kein Zufall, dass sämtliche Joghurt-Produkte und -Marken grundsätzlich von und für Frauen beworben werden. Frauen vermitteln sich selbst und ihrem Umfeld mit einer zurückhaltenden Art zu essen: »Ich achte auf mich, ernähre mich leicht und gesund.« Zuschlagen und reinhauen gilt dagegen als männlich, zeugt von Kraft und Gesundheit. Er hat einen »gesunden Appetit«, sie dagegen gilt schnell als »maßlos«, wenn nicht spürbar bleibt, dass sie ihr Gewicht im Blick behält.