Equal Care – Über Fürsorge und Gesellschaft

Vortrag/Lesung mit Sascha Verlan + Almut Schnerring

Worum geht es?

Am Anfang und am Ende des Lebens sind wir darauf angewiesen, dass andere Menschen sich um uns kümmern, bedingungslos fürsorglich sind. Aber auch in den Jahren dazwischen: Wer kocht, räumt auf und putzt? Wer erzieht, betreut und pflegt? Wer hört zu und gibt Rückhalt? Wer ist bereit, die eigenen Wünsche zurückzustellen und sich hier und jetzt um andere zu kümmern? All diese Care-Aufgaben sind in unserer Gesellschaft sehr ungleich verteilt. Im professionellen Bereich sowie im privaten.

Die Grundthese ist: Nur wenn Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt wird, haben alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, politisch und wirtschaftlich, in Kultur und Wissenschaft, beruflich und privat, auf allen Ebenen und Hierarchiestufen.

Ausgehend von den Fragen »Was ist Care?« (mehr als pflegen und sauber machen), »Was ist Arbeit?« (mehr als die reine Erwerbsarbeit auf jeden Fall) und »Wie privat ist Fürsorge eigentlich?« (gar nicht) thematisieren wir die sozialen Verwerfungen, die der Gender Care Gap in den unterschiedlichen Lebens- und Gesellschaftsbereichen nach sich zieht (ja, auch Männer sind davon betrofffen). Wie kommt es, dass sich allen Erfolgen der Gleichstellungsbewegung zum Trotz im Sorgebereich so wenig verändert hat?

Wir laden ein, unsere Gesellschaft und ihr Wirtschaftssystem einmal aus dem Blickwinkel der Fürsorge zu betrachten.

In den öffentlichen Debatten um den Gender Care Gap seit der Veröffentlichung des Zweiten Gleichstellungsberichts 2017, sind viele Erklärungsversuche zu finden, warum diese aktuelle Welt der Fürsorge genau so ist, wie sie ist – und nach Meinung Vieler gefälligst auch so zu bleiben habe: Dort sind obskure steinzeitliche Herleitungen zu lesen, die besondere und natürliche Beziehung zwischen Mutter und Kind wird betont, unterschiedliche Ansprüche an Haushaltstätigkeiten und Erziehung werden geltend gemacht, Erinnerungen an die eigenen Mütter, die das alles doch so gerne gemacht hätten, werden hervorgekramt, es ist die Rede von Körperkraft, Präferenzen bei der Wahl der Partner•innen, Berufswünschen und Teilzeitregelungen … Dies sind allesamt Versuche, das gesellschaftliche Missverhältnis zu individualisieren und zu erklären, ohne auf die systematische Ungerechtigkeit einzugehen und die persönlichen Vorteile, die der Einzelne aus der gegenwärtigen Situation zieht. Dabei lassen sich die unmittelbaren Folgen des Gender Care Gap am einfachsten und eindrücklichsten am Gender Pension Gap ablesen, an der unterschiedlichen Höhe der Durchschnittsrenten von Männern und Frauen. Mit einer Diffferenz von aktuell 46 % liegt Deutschland damit im europäischen Vergleich an letzter Stelle.

Fürsorge ist sicher nicht die einzige Antwort auf die drängenden Herausforderungen der näheren Zukunft, allerdings ein vielversprechender und lohnender Ansatzpunkt. Die Voraussetzung für einen ehrlichen Dialog und Diskurs ist zunächst, dass wir uns darüber Klarheit verschaffen, was Care-Arbeit eigentlich ist und im Detail umfasst.

Wir freuen uns, wenn Sie auf uns zukommen, um gemeinsam eine Veranstaltung zu diesem Thema zu planen.

Schnerring/Verlan:

Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft.

Verbrecher Verlag 2020

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