Falten, aber richtig

Din 824C*

Ein Radiofeature von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Diese Sendung ist ein kleinteiliges, kleingefaltetes, stellenweise knittriges Hörbild, während dessen Produktion wir manchmal völlig geknickt waren, weil wir vor lauter Falten mitunter die große Richtung verloren haben. Gilles Deleuze, der sich in seinem Buch „Die Falte“ mit Leibniz und den Falten des Barock befasst hatte, wusste dann weiter.

Offenbar gibt es überflüssige und notwendige Falten. Und es gibt richtige und falsche. Bei den richtigen Falten können Maschinen helfen, wie etwa der Serviettenfaltautomat in der Gastronomie. Anderes kann nur der Mensch. Bis heute sind Roboter zu einfältig, ein simples Papierschiffchen hinzubekommen. Aber ob das Falten deswegen ein Ausweis menschlicher Intelligenz ist? Soldaten, die ihre Hemden spindgerecht auf Knicklinie bringen, sind da unterschiedlicher Ansicht. Wir falten das Thema in alle Richtungen auf – und fragen, wohin all die Knicke und Falze führen.

Wir wollten ja nicht bloß die Hände falten, sondern haben uns stattdessen im Faltenröckchen aufgemacht, auch die letzte Falttür zu öffnen, um so vor Ihren Ohren eine Radiocollage zu entfalten, die Sie noch in ihren tiefsten (Gehirn-)Falten erfreuen möge.

gesendet im Deutschlandfunk, 23. August 2015

Im Feature zu Wort kommen:

– Wolfgang Wenzel. Nanotechnologe am KIT Karlsruhe

– Oliver Martin. Hat die Rofobox mitentwickelt, ein Servietten faltendes Robotergespann (–> Kurzbeitrag darüber)

– Michael Schlösser, Presseoffizier der Bundeswehr

– Michael Hartenfels, Verpackungsexperte bei Wagener Verpackung Köln,

– Christine Wizoreck und Alina Junik Serviettenfalterinnen aus dem Hyatt Köln

– Frank Bölter, Papierschifffalter, Panzer-mit-Flüchtlingen-Falter, Bildender Künstler

“To The World’s End” by Frank Boelter. Sunday 14th September 2014, The Stade Hastings, UK. The closing event of Coastal Currents Arts Festival 2014.

– und mit dem standhaften Zinnsoldaten von Hans Christian Andersen

*Das Deutsche Institut für Normung legt mit der „DIN 824 C“ legt fest, wie man große technische Zeichnungen auf ein Format herunterknickt, das in einen Heftordner passt, ohne dass die Lochung die Zeichnung beschädigt. Andere Falten ergeben sich normalerweise ohne Norm. Gesichtsfalten zum Beispiel. Oder die Faltungen des Gehirns oder der DNS. 

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